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Yiwu: Eine ständig wachsende internationale Handelsstadt

Yiwu: Eine ständig wachsende internationale Handelsstadt

Source: People’s Republic of China – State Council News in German

1980 kam ich erstmals nach China, knapp zwei Jahre nach der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik des Landes. Von meinem Studienort an der Nanjing-Universität unternahm ich zum Jahreswechsel 1981/82 eine Reise nach Zhejiang. Damals konnte niemand ahnen, dass sich diese Region so rasant entwickeln würde. Yiwu, ein kleiner Ort in dieser Provinz, sollte dabei eine ganz besondere Rolle spielen: Heute ist die kreisfreie Stadt weltweit als Hauptstadt des Kleinwarenhandels bekannt. Der erste Schritt zu diesem Erfolg wurde genau zu jener Zeit gemacht. 

Um 1982 verkündete Xie Gaohua, der damalige Parteisekretär von Yiwu, landesweit als erster die sogenannten „Vier Erlaubnisse“: Bauern durften mit ihren Produkten auf die städtischen Märkte kommen, dort ihre Waren anbieten und sie auch in andere Regionen senden – im Wettbewerb mit staatlichen und privaten Händlern. Dieser Schritt war zur damaligen Zeit geradezu revolutionär. Es war die Geburtsstunde des freien Marktes in Yiwu.

Aus dem einstigen Bauernmarkt wurde ein kommerzieller Markt mit eigener Dynamik, der sich stets weiterentwickelte, inländische wie internationale Märkte eroberte, zunächst im Konsum- und Souvenirbereich, später zunehmend auch mit Blick auf Hightech-Produkte in Feldern wie künstliche Intelligenz (KI), autonomes Fahren und Robotik. Ich kenne keine andere Stadt und keinen anderen Markt weltweit, der sich derart flexibel und expansiv entwickelt. Yiwu ist keine Hafenstadt, was der Markt aber auch nicht unbedingt nötig hat. Denn Yiwu ist, wie Chinesen wohl sagen würden, zu einem logistischen Zentrum gereift, erreichbar per Personen-Hochgeschwindigkeitsverkehr und Güterverkehr, angeschlossen an die Häfen der maritimen Seidenstraße und internationale Eisenbahnstrecken, die auch uns in Deutschland erreichen. 

Dem heutigen Yiwu sieht man seine rasante Entwicklung an. Aus kleinen Straßenständen erwuchsen zunächst ganze Siedlungen von Reihenhäusern, die im Parterre ihre Produkte anboten. Als ich Yiwu 2006 erstmals besuchte, waren dort bereits einige große, mehrstöckige Markthallen entstanden. Von der größten Halle sagt man, es dauere über ein Jahr, alle Stände für je zwei Minuten aufzusuchen. Bei meinem diesjährigen Besuch stellte ich fest, dass die neuesten Markthallen heute zudem großes Gewicht auf die moderne Fassade und eine bequeme Begehbarkeit legen.

Das Stadtbild hat sich merkbar verändert. Wo früher noch landwirtschaftliche Flächen waren, findet man heute urbane Landschaften. Die Architektur achtet auf moderne Trends, Grünanlagen wurden geschaffen. Besonders deutlich zeigt sich der Wandel in der Verkehrsinfrastruktur: Sowohl das Straßennetz als auch der massiv ausgebaute Bahnhof haben heute eine völlig andere Dimension als noch vor zwei Jahrzehnten.

Auffällig ist, dass sowohl Händler als auch Käufer sichtbar internationaler geworden sind. Die ausländischen Kaufleute, so mein Eindruck, stammen noch mehrheitlich aus dem Globalen Süden. Wenn Bereiche wie KI, E-Mobilität, autonomes Fahren und Robotik durch das neue Global Digital Trade Center im Angebot von Yiwu ein noch größeres Ausmaß annehmen werden, dürfte die Anzahl der Kunden aus dem industrialisierten Globalen Norden spürbar wachsen. 

Während meiner Zeit in Shanghai brachte ich einmal meinen niederländischen Kollegen mit nach Yiwu. Er hatte zuvor nichts von dem örtlichen Markt gehört. Nach einem Rundgang meinte er: „Warum kaufe ich all meine Weihnachtsgeschenke, wie Porzellanfigürchen von Windmühlen, Holzschuhen und Kinderfiguren in holländischer Tracht, noch bei uns zu Hause? Kommt doch offensichtlich alles aus China. Ich könnte mir den Transport sparen. Zudem ist hier alles viel billiger.“ Diese Bemerkung machte mir deutlich, dass ein Souvenirmarkt in der Tradition Yiwus in Deutschland betriebswirtschaftlich keine Chance hätte. 

Eine Kooperation deutscher Unternehmen mit chinesischen auf Augenhöhe zur Erforschung, Herstellung und Vermarktung von Gütern mit höheren technischen Standards kann ich mir dagegen durchaus vorstellen. Technologisch ist China heutzutage Deutschland in vielen Produktsparten gleichgestellt, in einigen gar überlegen. Was Deutschland von Yiwu übernehmen könnte, ist, Produkte konsequent und vor allem schnell zu entwickeln und sie rasch marktreif zu machen. 

*Dr. Peter Kreutzberger ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung e.V. Rund 20 Jahre verbrachte er mit Studium und Posten im Auswärtigen Amt in Beijing, Nanjing, Shanghai und vor seinem Ruhestand als Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Shenyang. 

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