Source: Deutsche Nachrichten
Transaktionen, Expansion, Kapitalmarktstrategie
Mit einer Rekord-Transaktionspipeline, zahlreichen erfolgreichen Exits und einer weiterhin hohen Dynamik auf der Zukauf-Seite zählt die Mutares SE & Co. KGaA auch 2026 zu den aktivsten Akteuren im europäischen Beteiligungsmarkt. Parallel dazu stärkt die Gesellschaft ihre Kapitalmarktposition weiter und hat jüngst ein freiwilliges öffentliches Rückkaufangebot für ihren Nordic Bond 2023/27 (ISIN: NO0012530965) gestartet. Über die aktuelle Unternehmensentwicklung, die Expansions- und Exit-Strategie sowie die Rolle des Kapitalmarkts und des Nordic-Bond-Segments haben wir mit CFO Mark Friedrich und CIO Johannes Laumann gesprochen.
Anleihen Finder: Herr Friedrich, Mutares hat zuletzt erneut starke operative Zahlen sowie eine extrem hohe Transaktions-Pipeline präsentiert. Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung der Gruppe und welche Ziele verfolgen Sie?
Mark Friedrich: Wir sind mit der Entwicklung der Gruppe sehr zufrieden. Im Geschäftsjahr 2025 hat Mutares den Konzernumsatz auf 6,5 Mrd. Euro gesteigert und den Jahresüberschuss der Holding auf 130,4 Mio. Euro erhöht. Für 2026 bestätigen wir unsere Prognose von 7,9 bis 9,1 Mrd. Euro Konzernumsatz sowie 165 bis 200 Mio. Euro Jahresüberschuss in der Holding. Auch das erste Quartal 2026 zeigt mit 1,68 Mrd. Euro Konzernumsatz und einem deutlich verbesserten Adjusted EBITDA, dass unser Portfolio operativ vorankommt. Wir gehen auch davon aus, die ursprünglich für 2028 kommunizierten Ziele von 10 Mrd. Euro Konzernumsatz und 200 Mio. Euro Jahresüberschuss in der Holding früher zu erreichen.
„Wir gehen auch davon aus, die ursprünglich für 2028 kommunizierten Ziele früher zu erreichen“
Anleihen Finder: Herr Laumann, welche Meilensteine waren aus Ihrer Sicht in den vergangenen Monaten besonders wichtig?
Johannes Laumann: Wichtige Meilensteine waren die erfolgreiche Kapitalerhöhung in Verbindung mit der breiten Unterstützung unserer Bond-Investoren, sodass wir unsere Internationalisierung insbesondere mit dem Markteintritt in die USA vorantreiben können. Strategisch zählt dazu auch die größte Akquisition unserer Unternehmensgeschichte mit dem Engineering-Thermoplastics-Geschäft von SABIC sowie die stark beschleunigte Exit-Aktivität. All das zeigt: Wir haben auf der Buy-Side wie auf der Sell-Side ein sehr hohes Momentum.
Anleihen Finder: Mutares spricht derzeit auch von der größten Exit-Pipeline der Unternehmensgeschichte. Welche Bedeutung haben Exits für Ihr Geschäftsmodell und wie konkret ist die aktuelle Verkaufs-Pipeline für 2026?
Johannes Laumann: Exits sind ein zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Wir erwerben Unternehmen in Umbruchsituationen, entwickeln sie operativ weiter und realisieren den geschaffenen Wert zu einem passenden Zeitpunkt. Gerade 2025 hat der vollständige Ausstieg bei Steyr Motors gezeigt, welches Wertpotenzial in unserem Ansatz steckt. Für 2026 ist die Pipeline sehr konkret. Wir haben bereits Verkäufe von Kalzip und WIJ Special Media, Peugeot Motocycles, inTime und Relobus umgesetzt und sind bei Conexus in den Endzügen. Darüber hinaus laufen mehrere belastbare Verkaufsprozesse, insbesondere in den Bereichen Defense, Energie und Energieinfrastruktur. Wir erwarten hier im weiteren Jahresverlauf zusätzliche attraktive Exits mit erheblichem Wertschöpfungspotenzial.
Anleihen Finder: Gleichzeitig bleibt Mutares weiterhin auch sehr aktiv auf der Buy-Side. Wie beurteilen Sie aktuell das Marktumfeld für Unternehmenszukäufe und welche Opportunitäten sehen Sie derzeit besonders?
„Besonders spannend ist derzeit der US-Markt. Dort prüfen wir rund 15 Targets mit Jahresumsätzen zwischen 100 Mio. Euro und 1,5 Mrd. Euro“
Johannes Laumann: Das Marktumfeld ist für uns sehr attraktiv. In vielen Industrien führen geopolitische Unsicherheiten, Transformation, Portfoliobereinigungen großer Konzerne und Finanzierungsthemen dazu, dass Unternehmensteile veräußert werden. Genau in solchen Situationen kann Mutares seine Stärke ausspielen: schnelle Entscheidungsfähigkeit, operative Restrukturierungskompetenz und Zugang zu Kapital. Besonders spannend ist derzeit der US-Markt. Dort adressieren wir eine Transaktionspipeline mit einer Umsatzdimension von kumuliert rund 4,8 Mrd. Euro und prüfen rund 15 Targets mit Jahresumsätzen zwischen 100 Mio. Euro und 1,5 Mrd. Euro.
Anleihen Finder: Sie sprechen den US-Markt an. Welche Regionen, Branchen oder Geschäftsmodelle stehen bei möglichen Akquisitionen im Jahr 2026 im Mittelpunkt Ihrer Strategie?
Johannes Laumann: Regional steht neben Europa wie bereits angesprochen vor allem die weitere Expansion in den USA im Mittelpunkt. Nach unserem bestehenden Standort in Chicago planen wir dort ein zweites Office in Houston, um die lokale Pipeline noch effizienter bearbeiten zu können. Strategisch fokussieren wir uns 2026 besonders auf Energie, Infrastruktur, Anlagenbau, Defense, Industrial Services und Chemie. Mit dem neuen Segment Chemicals & Materials schaffen wir zudem eine weitere Wachstumssäule. Die SABIC-Transaktion mit rund 2 Mrd. Euro Umsatz ist hier ein entscheidender Schritt und erweitert unser Portfolio in Richtung Spezialchemikalien, Hochleistungswerkstoffe und industrielle Materialwertschöpfung.
„Strategisch fokussieren wir uns 2026 besonders auf Energie, Infrastruktur, Anlagenbau, Defense, Industrial Services und Chemie“
Anleihen Finder: Herr Friedrich, Mutares hat nun ein freiwilliges öffentliches Rückkaufangebot für den ausstehenden Nordic Bond 2023/27 in Höhe von bis zu 25 Mio. Euro gestartet. Was sind die Hintergründe dieses Rückkaufangebots?
Mark Friedrich: Wir wollen, wie angekündigt, die Verschuldung in der Holding bis zum 31. Dezember 2026 sukzessive reduzieren. Die geplante quartalsweise Reduzierung über Rückkäufe dient genau diesem Ziel und ist zugleich ein Schritt hin zur angestrebten Refinanzierung im vierten Quartal 2026. In einem ersten Schritt wollen wir zudem sehen, wie hoch das Interesse der Investoren an einer Abgabe des Bonds überhaupt ist. Geplant ist, den ausstehenden Nominalbetrag unter den beiden Anleihen von derzeit 385 Mio. Euro bis Ende 2026 auf 250 bis 300 Mio. Euro zu reduzieren.
Anleihen Finder: Wie soll der im kommenden Jahr auslaufende Bond in Gänze refinanziert werden? Gibt es da schon konkrete Planungen – etwa die Emission eines neuen Bonds? Und wie sieht in Gänze Ihre Kapitalmarkt-Strategie aus?
„Nach heutigem Stand würden wir die Refinanzierung gerne im vierten Quartal 2026 durchführen“
Mark Friedrich: Der Bond läuft noch bis März 2027. Nach heutigem Stand würden wir die Refinanzierung gerne im vierten Quartal 2026 durchführen. Dafür beobachten wir den Markt sehr genau und werden das richtige Zeitfenster nutzen, wenn es sich bietet.
Grundsätzlich sehen wir den Bondmarkt weiterhin als sehr attraktiven Finanzierungsmarkt, den wir auch künftig nutzen wollen. Unsere Kapitalmarktstrategie bleibt dabei ausgewogen: Wir kombinieren Eigenkapital, Fremdkapital und Erlöse aus Exits so, dass wir Wachstum finanzieren, Opportunitäten schnell nutzen und gleichzeitig die Holding-Verschuldung konsequent reduzieren können.
Anleihen Finder: Welche Rolle spielt der Nordic-Bond-Markt inzwischen generell innerhalb Ihrer Finanzierungsstrategie? Warum eignet sich das Nordic-Bond-Segment aus Ihrer Sicht besonders gut für Mutares?
Mark Friedrich: Der Nordic-Bond-Markt spielt in unserer Fremdfinanzierung eine zentrale Rolle. Wir schätzen insbesondere die Professionalität der Investoren, die Standardisierung des Prozesses sowie die Geschwindigkeit und Liquidität dieses Marktes. Für ein Unternehmen wie Mutares, das sehr transaktionsorientiert arbeitet und flexibel auf Marktchancen reagieren muss, ist das ein großer Vorteil. Die breite Zustimmung der Bond-Investoren im Rahmen der jüngsten Maßnahmen war für uns zudem ein deutlicher Vertrauensbeweis und stärkt unsere finanzielle Flexibilität.
Anleihen Finder: Abschließend: Mit welchem Ausblick gehen Sie insgesamt in das zweite Halbjahr 2026 und auch in 2027? Welche operativen und strategischen Ziele stehen für Mutares derzeit im Vordergrund?
„Wir gehen mit viel Momentum in das zweite Halbjahr 2026 und sehen Mutares strategisch hervorragend positioniert“
Mark Friedrich: Wir gehen mit viel Momentum in das zweite Halbjahr 2026 und sehen Mutares strategisch hervorragend positioniert. Im Mittelpunkt steht weiterhin der Ausbau unserer internationalen Plattform – insbesondere in den USA. Mit einem zweiten Office in Houston werden wir unsere Präsenz in einem der weltweit attraktivsten M&A-Märkte weiter stärken und die dortige Pipeline noch effizienter bearbeiten können.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Reduzierung der Nettoverschuldung auf Holding-Ebene. Hier arbeiten wir konsequent an einer weiteren Verbesserung unserer Kapitalstruktur und wollen die starke operative Entwicklung sowie Exit-Erlöse gezielt nutzen, um die finanzielle Flexibilität der Gruppe weiter auszubauen.
Johannes Laumann: Bezogen auf das Portfolio fokussieren wir uns auf die Segmente Energie, Infrastruktur, Anlagenbau, Verteidigung, Industrial Services sowie Chemie. Gerade in diesen Bereichen sehen wir durch geopolitische Veränderungen, den Ausbau kritischer Infrastruktur, steigende Verteidigungsbudgets sowie den hohen Investitionsbedarf in Energie- und Industrieanlagen besonders attraktive Opportunitäten – sowohl auf der Buy-Side als auch bei Exits.
Gleichzeitig erwarten wir im weiteren Jahresverlauf die Umsetzung wesentlicher Exits insbesondere in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Defense. Viele unserer Beteiligungen haben in den vergangenen Jahren erhebliche operative Fortschritte erzielt und stoßen aktuell auf ein sehr attraktives Marktumfeld bei strategischen Käufern und Finanzinvestoren.
Anleihen Finder: Herr Friedrich, Herr Laumann, besten Dank.
Hier finden Sie den Original-Artikel: Mark Friedrich & Johannes Laumann (Mutares) im Interview
