Source: People’s Republic of China – State Council News in German
Von Oliver Eschke
Beim letzten China-Besuch eines US-Präsidenten, der ebenfalls Donald Trump hieß, war die Welt noch eine andere. Natürlich gab es auch damals, 2017, hier und da Krisen und Konflikte, die eine florierende Entwicklung der Weltwirtschaft lähmten. Das ist jedoch kein Vergleich mit den heutigen Zeiten, in denen mehrere Kriege geführt werden und sich einige Staaten scheinbar wieder das Recht des Stärkeren zurückwünschen.
Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping trifft in der Großen Halle des Volkes in Beijing den US-Präsidenten Donald Trump. (Foto vom 14. Mai 2026, Ding Lin/Xinhua)
Die USA brauchen China
Und noch was ist anders: Das Machtgefälle zwischen China und den USA. Die Volksrepublik hat in den letzten Jahren massiv aufgeholt. In wichtigen Zukunftssektoren wie Künstliche Intelligenz, Erneuerbare Energien, Quantencomputing oder E-Mobilität ist das Land mittlerweile führend. Durch seine kontinuierliche Politik der Reform und Öffnung ist China nicht nur ein Magnet für Investitionen internationaler Unternehmen, sondern auch ein immer beliebteres Reiseziel mit großer kultureller Anziehungskraft auf ausländische Touristen geworden (Stichwort „China Travel“ oder „Chinamaxxing“). Es sind diese Vorzeichen, unter denen sich der zweite Besuch von Donald Trump vom 13. bis 15. Mai nun abspielt. Und bereits vor seinem China-Besuch schrieb der US-Präsident auf der Plattform „Truth Social“, dass er sich sehr auf die Reise nach China freue und China ein „großartiges Land“ sei.
Was besonders hervorzuheben ist, dass 17 Chief Executives (CEO) von Großunternehmen wie Apple, Tesla oder Nvidia Trump nach Beijing begleitet haben. Solch eine starke Delegation bringt klar zum Ausdruck, dass die US-Wirtschaft China braucht. Die lahmende heimische Wirtschaft hat den Unternehmensbossen noch einmal vor Augen geführt, wie essentiell der riesige chinesische Markt für sie ist. Ohne diesen weltweit größten Absatzmarkt, der zudem durch die wachsende Mittelschicht fortwährend noch größer wird, würden ihnen die Profite einbrechen. Mehr noch: Die frühere „Werkbank der Welt“ ist heute Hightech-Exporteur, der in vielen Schlüsselbereichen führend ist. Die Liste reicht von Halbleitern über Solarpanel bis hin zu Seltenen Erden.
Zusammenkommen der zwei Großmächte
China ist ein gastfreundliches Land. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping begrüßte Trump folglich auch mit einer großen Begrüßungszeremonie und sagte, dass er bereit sei, mit seinem US-Amtskollegen „gemeinsam das große Schiff der chinesisch-amerikanischen Beziehungen sicher zu steuern“, damit das Jahr 2026 zu einem „historischen und bahnbrechenden Jahr für die Beziehungen zwischen China und den USA“ werde.
Er betonte, China setze sich für stabile, gesunde und nachhaltige Beziehungen zu den USA ein. Er und Präsident Trump seien sich darüber einig, dass der Aufbau einer Beziehung mit „konstruktiver strategischer Stabilität“ die neue Ausrichtung der Beziehungen bilden solle. Dies werde beiden Ländern in den kommenden drei Jahren und darüber hinaus als strategische Leitlinie dienen.
Eine gesunde chinesisch-amerikanische Beziehung ist auch eine gute Botschaft für die Welt, denn wenn die beiden größten Volkswirtschaften an einem Strang ziehen und das zentrale Stabilitätsgerüst der globalen Wirtschaft bilden, werden sich Win-win-Situationen ergeben, von denen auch andere Länder profitieren können. Jede Eskalation, jeder Handelskrieg und jede politische Konfrontation schaden der gesamten Welt. Sie lassen weltweit Warenpreise steigen, die Lieferzeiten verlängern sich und globale Handelsströme geraten ins Stocken. Umgekehrt profitieren folglich auch andere Länder, wenn Washington und Beijing zusammenarbeiten.
Besonders Deutschland als exportorientierte Industrienation mit global vernetzter Wirtschaft gehört zu den größten Nutznießern stabiler US-China-Beziehungen, da große Teile seiner Wertschöpfungsketten in China und in den USA liegen. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren China und die USA im letzten Jahr mit 171 und 147 Milliarden Euro der größte bzw. zweitgrößte Handelspartner Deutschlands.
Vielleicht noch wichtiger als diese rein wirtschaftliche Betrachtung ist es, auf die ganz großen Fragen zu blicken. Denn existenzielle Herausforderungen wie der Kampf gegen den Klimawandel samt grüner Transformation, die Vorbeugung von globalen Gesundheitskrisen oder auch die Gestaltung eines fairen Global Governance-Systems können nur gelingen, wenn China und die USA gemeinsam vorangehen.
Es bleibt also zu hoffen, dass Donald Trump an diesen zwei Tagen Chinas Botschaft versteht. Nicht im Gegeneinander, sondern nur durch respektvolles Miteinander auf Augenhöhe kann Wohlstand, Frieden und Harmonie für alle geschaffen werden.
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