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Wie junge Chinesen die ländliche Wiederbelebung vorantreiben

Wie junge Chinesen die ländliche Wiederbelebung vorantreiben

Source: People’s Republic of China – State Council News in German

Die in der Internetzeit aufgewachsene Generation sieht Kurzvideo-Plattformen nicht nur als Unterhaltung, sondern als neue Geschäftsmöglichkeit. 

Ein Bericht von ByteDance zeigt, dass zwischen September 2024 und September 2025 rund 1,36 Milliarden Videos aus ländlichen Gebieten auf die Plattform hochgeladen wurden. Mehr als 95.000 Kreative aus den Bereichen Landwirtschaft und ländliches Leben haben jeweils über 10.000 Follower. Die Zahl der unter 30-Jährigen in dieser Gruppe stieg um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Über 130.000 dörfliche Livestreamer sind derzeit auf Douyin aktiv“, so ein Unternehmensvertreter. Die Plattform senkte auch die Kosten für junge Gründer, indem sie über Frachtversicherungszuschüsse und Verkaufsrabatte Gebühren in Höhe von über 800 Millionen Yuan (116,9 Millionen US-Dollar) erließ.

Die Agrartechnologie im ländlichen China ist zunehmend zugänglich. Auch junge Menschen ohne landwirtschaftliche Erfahrung erhalten leicht technische Hilfe. Im Kreis Xichong in der südwestchinesischen Provinz Sichuan hat die Lokalregierung einen Kooperationsmechanismus aus Regierung, Experten, akademischen Einrichtungen und Unternehmen eingerichtet. Sie entwickelte 37 maßgeschneiderte Schulungskurse – von Schädlingsbekämpfung bis zum Aufbau umweltfreundlicher Produktionskreisläufe.

Wiederbelebung des ländlichen Raums durch Livestreaming

Chen Yujia wuchs im Dorf Shangguandi in der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang auf. Die Gegend mit ihrem vulkanischen Boden produziert hochwertigen Reis. Doch jahrelang hatten die örtlichen Bauern Schwierigkeiten, ihre Waren zu fairen Preisen zu verkaufen.

Chen arbeitete als Lehrerin in einer Stadt, doch die Not ihrer Dorfbewohner ließ sie niemals wirklich los. 2016 kündigte sie daraufhin ihre Stelle und kehrte in ihre Heimat zurück, um ein ländliches Start-up zu gründen.

Sie lernte alles von Grund auf – Setzlinge pflanzen, Felder bewirtschaften, Ernte im Herbst. Auf Reisen zu Messen mit einem Reiskocher und Reissäcken eignete sie sich moderne landwirtschaftliche Kenntnisse an. Um Bekanntheit zu erlangen, nutzte sie das Internet, drehte Videos und bewarb den lokalen Reis per Livestream.

Allmählich wuchs ihr Reis zu einer Marke mit eigenem Ort, eigener Geschichte und ländlicher Identität. Sie startete auch ein „Feldadoptions“-Programm: Verbraucher zahlen für ein Reisfeld und erhalten bei der Ernte den Reis. Während der Pflanz- und Erntesaison können sie das Dorf besuchen, Landwirtschaft erleben, in örtlichen Gasthöfen übernachten und Bauernmahlzeiten genießen.

Die Bemühungen zahlten sich aus. Chens Genossenschaft hat heute 157 Mitglieder und verkauft jährlich über 1,5 Millionen Kilogramm Reis. 2025 begrüßte das Dorf fast 100.000 Besucher, was Arbeitsplätze für Einheimische schuf.

Heute ist sie Parteisekretärin des Dorfes und plant ein Trainingscamp, um ihre Erfahrungen mit anderen jungen Menschen zu teilen. „Das Land ist nicht nur ein Ort der Nostalgie – es ist ein Ort, an dem man Karriere machen kann.“

„Chinas ländliches Talentpotenzial wandelt sich von einer rein arbeitsorientierten Struktur hin zu einem wissensbasierten, vielseitigen Entwicklungsparadigma. Das Land ist nicht länger nur ein Lieferant landwirtschaftlicher Produkte, sondern eine Bühne für neue Konsumformen, soziale Interaktion und Lebensstile“, sagte Yao Ting, stellvertretende Direktorin des Forschungsinstituts für Industriewirtschaft an der Shanxi-Akademie für Sozialwissenschaften.

MIL OSI