Source: Switzerland – Canton Bern Government in German
Neben den Fragmenten frühmittelalterlicher Skulpturen ist in der neuen Ausstellung auch ein römischer Grabaltar mit Inschrift zu sehen. Der rund 600 Kilogramm schwere Kalksteinblock stammt ursprünglich aus Avenches und wurde, etwa 1000 Jahre nach seiner Herstellung, im Mittelalter nach Amsoldingen gebracht. Dort diente er zusammen mit weiteren römischen Grabaltären und Säulen als Pfeiler in der Krypta. 1876 wurden die römischen Inschriftensteine aus der Krypta entfernt, zunächst nach Thun ins Rathaus, dann ins Museum transportiert und vor Ort durch Sandsteinsäulen ersetzt. Seit der Restaurierung 1980 sind in der Krypta Kopien der Inschriftensteine eingebaut. Nun ist einer der interessanten Steine wieder nach Amsoldingen zurückgekehrt. Im Schloss Thun ist heute noch ein Original ausgestellt.
Die Wiederverwendung älterer Bauteile ist auch von den Cluniazenserkirchen in Münchenwiler und auf der St. Petersinsel bekannt. Dabei ging es nicht nur um den Materialwert der Steine, sondern auch um die ästhetische und/oder symbolische Bedeutung. So verliehen die römischen Inschriftensteine dem Chorherrenstift Amsoldingen, dem Zentrum einer Gemeinschaft von Priestern, ein ehrwürdiges Alter. Bemerkenswert ist, welch grossen Aufwand die Menschen damals angesichts der beachtlichen Transportdistanz dafür betrieben.
