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Kaspersky in den USA verboten: Sollten auch deutsche Nutzer umsteigen?

Kaspersky in den USA verboten: Sollten auch deutsche Nutzer umsteigen?

Source: Deutsche Nachrichten
Das russische Unternehmen Kaspersky zählt weltweit zu den bekanntesten Herstellern von Cybersicherheitslösungen. Doch in den letzten Jahren musste Kaspersky einige Federn lassen. Von zeitweise 30 Prozent Marktanteil ging es bergab auf aktuell etwa 10 Prozent. Bereits 2017 verhängten die USA ein Verbot der Software für die IT-Systeme von US-Behörden. Nun folgte die Ankündigung des US-Handelsministeriums, dass ab Juli der Verkauf auch an private und gewerbliche Nutzer in den USA und ab September auch Updates für bestehende Systeme nicht mehr erlaubt seien.

Hintergrund dieser Maßnahme ist das angespannte Verhältnis der westlichen Welt mit Russland, dem Heimatland des Kaspersky-Gründers Eugene Kaspersky. Auch die Tatsache, dass dieser in Moskau lebt und damit dem Einfluss der russischen Regierung unterliegt, dürfte der Vertrauensbildung nicht zuträglich gewesen sein. Zwar betont das Unternehmen in Statements immer wieder, dass man an keinen Tätigkeiten beteiligt sei, die die Sicherheit der USA bedrohen würden und niemals irgendeine Regierung beim Versuch der Cyberspionage unterstützen würde, doch diesen Beteuerungen zum Trotz könnte Kaspersky angesichts der Rechtslage in Russland zu genau solchen Aktivitäten gezwungen werden.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass auch andere Länder wie Litauen oder die Niederlande die Nutzung von Kaspersky-Sicherheitslösungen als kritisch einschätzen – genau wie das deutsche BSI, das bereits seit 2022 vor dem Einsatz warnt. Hintergrund war damals der Beginn des Ukraine-Kriegs und die damit verbundenen Drohungen Russlands gegenüber der EU, Deutschland und der NATO. Als Reaktion darauf kündigte Kaspersky an, die Datenverarbeitung aus Russland in die Schweiz zu verlagern, um Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit zu zerstreuen. Doch offenbar mit nur geringem Erfolg: Die Befürchtung, Rechner, Handys und andere Geräte mit der Kaspersky-Software könnten von russischen Akteuren ausspioniert, manipuliert und angegriffen werden, besteht nach wie vor.

Und tatsächlich wäre ein solches Szenario theoretisch möglich, etwa indem bestimmt Angriffe von der Software ignoriert und Daten ausgespäht oder manipuliert werden. Beweise, dass es bereits zu solchen Angriffen gekommen ist, liegen derzeit nicht vor. Klar ist allerdings, dass die geopolitische Lage sich seit der ersten Warnung des BSI vor mehr als zwei Jahren nicht entspannt hat – im Gegenteil! Darüber hinaus ist Russland bekannt für seine Aktivitäten im Bereich der Cyberspionage und könnte Kaspersky durch die geltenden Gesetze zur Kooperation zwingen. Die Warnungen des BSI kommen also nicht von ungefähr. Wer also über den Einsatz von Sicherheitssoftware nachdenkt, sollte diese Fakten im Hinterkopf behalten. An alternativen Herstellern, bei denen man diese Bedenken nicht haben muss, mangelt es jedenfalls nicht.

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