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Devisen: Trendwende für Euro?

Published By   /   September 14, 2017  /   Comments Off on Devisen: Trendwende für Euro?

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Devisen: Trendwende für Euro?

13. September 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auf hohem Niveau von knapp 1,20 tritt der Euro im Vergleich zum US-Dollar auf Monatssicht mehr oder weniger auf der Stelle. Dabei erreichte der Wechselkurs mit 1,20 vor dem Hintergrund überzeugender Konjunkturdaten und einer unerwartet hohen Teuerungsrate im Euroraum bei gleichzeitig enttäuschenden US-Marktdaten zwischenzeitlich den höchsten Stand seit 2015.

Dieses Kursverhältnis ist nach Auffassung von Martin Arnold nicht von Dauer. Der Analyst von ETF Securities erkennt deutliches Abwärtsrisiko für den Euro und Aufwärtspotenzial für die US-Währung. Mangelndes Verständnis der Notenbank-Positionierung berge vor allem im Währungssegment das Risiko von Fehlbewertungen. Anleger unterschätzten die Bestrebungen der Europäischen Zentralbank EZB, bei gleichzeitiger Unterstützung der Wirtschaft die Inflation ankurbeln zu wollen. Die Euro-Stärke gefährde das solidere ökonomische Fundament, was die Notenbanker vor Herausforderungen stelle. “Entgegenkommende Stellungnahmen seitens der EZB könnten dazu führen, dass die Long-Futures-Positionen, die beinahe Rekordniveaus verzeichnen, rasch aufgelöst werden.”

Volatilität bleibt

Dem gegenüber erwartet Christian Melzer von der DekaBank eine eher moderate Abwertung des Euro zum US-Dollar. Hinweise aus der Federal Reserve, sich mehr Zeit bei der geldpolitischen Normalisierung nehmen zu wollen, werden nach Ansicht der Analysten des Instituts nur kurzzeitig wirken.

Aktuell würden die erfreulich wachsende Weltwirtschaft, europaweit fallende Arbeitslosigkeit sowie eine prächtige Stimmung in den Unternehmen und privaten Haushalten zwar von Geschehnissen etwa um den Konflikt mit Nordkorea und der Hurrikan-Saison überschattet. Melzer rechnet allerdings damit, dass es gelingt, aus dem “Ping-Pong des sich stärker Bedrohtfühlens” herauszukommen. “Wir sehen gute Chancen, dass die Störfaktoren in den kommenden Wochen etwas abklingen.” Ãœbrig bleibe dann eine ordentliche Weltkonjunktur bei immer noch faktischer Inflationsfreiheit. Das nervöse Warten auf Preissteigerungen und damit höhere Zinsen halte aller Voraussicht nach allerdings an. Diese Quelle für Marktschwankungen bestehe somit fort.

Yen-Stärke nur vorübergehend Auch für die japanische Währung zum US-Dollar erwartet ETF Securities einen Schwächeanfall. Der Greenback werde im zweiten Halbjahr auch gegen andere wichtige Währungen allgemein an Boden gewinnen. “Bei geringerer Volatilität sollten wir einen japanischen Yen sehen, der sich scharf nach unten bewegt, da die Notenbank weiterhin ihre versorgende Rolle einnimmt und Investoren außerhalb des Landes nach Rendite suchen”, begründet Arnold. Arnold 

Auch die DekaBank rechnet mit Yen-Verlusten. Die japanische Währung habe zwar 2016 an Stärke gewonnen, der Ausblick sei jedoch trübe. Es fehlten nachhaltig bessere Wachstumsperspektiven für die japanische Wirtschaft. Premierminister Abe zögere, echte Strukturreformen im Rahmen seines Programms “Abenomics” anzugehen. Mittlerweile sei die Notenbank mit ihrer expansiven Geldpolitik ein wesentlicher Anker der Volkswirtschaft. “Je länger die Strukturreformen und die Schuldenkonsolidierung hinausgeschoben werden, desto größer wird die Abhängigkeit von der lockeren Geldpolitik und desto schwerer wird der Ausstieg aus diesem monetären Umfeld”, urteilt Melzer. Die Normalisierung der Geldpolitik sei für eine Gesundung der Volkswirtschaft indes unerlässlich.

Britisches Pfund sucht neue Mitte

Das weitere Schicksal für die Währung des britischen Königreichs wird nach Ansicht von Analysten naturgemäß stark von den möglichen Scheidungsmodalitäten mit der Europäischen Union bestimmt. “Die Unsicherheiten rund um die Brexit-Verhandlungen werden den zunehmenden Willen der Bank of England überschatten, ihre Politik gegenüber einer relativ stabilen Binnenwirtschaft zu straffen”, meint Arnold. In dem Maße, wie die Verhandlungen gewisse Klarheit zu einem konstruktiven ökonomischen Ergebnis schafften, werde der Sterling an Kraft gewinnen – speziell gegenüber dem Euro.”

Für die kommenden zwei Jahre sieht die DekaBank je nach Verlauf der Austrittsgespräche einen Pfundkurs zwischen 0,85 und 0,95 zum Euro. Nun, im Brexit-Prozess, sei die Währung auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht. “Hohe Schwankungen und ein Abwertungsrisiko bleiben seine ständigen Begleiter”, bemerkt Nikola Stephan.

Druck bleibt hoch

Die leichte Erholung des Pfund zu Beginn des Monats war nach Meinung von Folker Hellmeyer im Ãœbrigen eher der Erwartung einer vorsichtigeren EZB geschuldet, die durch die Euro-Stärke um das Erreichen des Inflationsziels fürchten müsse. Der Analyst der Bremer Landesbank sieht genügend Belastungen für das Pfund. Daten zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal hätten eine Schwäche des privaten Konsums und der Unternehmensinvestitionen bestätigt. Damit dürften Hellmeyer zufolge auch die preistreibenden Effekte des schwachen Pfunds für die Bank of England weiterhin zweitrangig bleiben. Zu groß sei die Unsicherheit hinsichtlich des EU-Austritts. “Mit der Parteikonferenz der Konservativen sowie dem EU-Gipfel dürfte das Pfund auch im Oktober unter Druck bleiben.”

von: Iris Merker
13. September 2017, © Deutsche Börse AG

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